Landschaftsfotografie als Hobby zu betreiben, wenn man ein kleines Kind hat, kann herausfordernd sein. Oft ist man morgens einfach zu müde, um pünktlich zum Sonnenaufgang am Fotospot zu sein. Wenn man aus der Fototour ein kleines Abenteuer für die ganze Familie macht, kommt im Idealfall jeder auf seine Kosten.
Als Fotograf muss man dabei aber ein paar Kompromisse eingehen. Morgens bei perfekten Bedingungen und Nebel zu fotografieren schaffe ich dann in aller Regel nicht. Stattdessen muss ich auch einmal mit dem harten Mittagslicht vorlieb nehmen. Zusätzlich muss man akzeptieren, dass man den verschlungenen, romantischen Pfad durch den Wald nicht nehmen kann, wenn man einen Kinderwagen dabei hat.
Ein lang gehegter Traum von mir war es, das Ilsetal im Oktober bei bester Laubfärbung zu fotografieren. So starteten wir am späten Vormittag an einem sonnigen Oktobertag vom Hauptparkplatz im Ilsetal im Nordharz. Zuerst ging es auf guten Wegen problemlos voran. An einer der ersten Brücken entschieden wir uns für den rechten Weg anstatt für die breite Fahrstraße, da im unteren Teil der Weg noch kinderwagentauglich aussah. Ein Fehler, wie sich ca. 2 km später herausstellte. Der Weg wurde immer schmaler und holpriger, sodass wir irgendwann aufgaben. Wir wollten aber auch nicht den ganzen Weg zurück, zumal es zwischendurch auch eine Brücke über die Ilse gab. Leider war der Zuweg zur Brücke auch alles andere als barrierefrei, sodass nichts anderes half als zu zweit den Kinderwagen (inkl. Kind) anzuheben und über ein paar Felsen zu tragen. Madame ist übrigens bei der Aktion gemütlich in ihrem Kinderwagen eingeschlafen…
Zurück auf der breiten Fahrstraße (und mit schlafendem Kind) ging es zügig der fotografischen Hauptattraktion entgegen: Den unteren Ilsefällen. Von einer weiteren Brücke aus gab es schon ein sehr gutes Motiv, bequem zu erreichen von einem kleinen Rastplatz. Netterweise verschwand die Sonne genau im richtigen Moment hinter ein paar Wolken, sodass die Kontraste nicht mehr ganz so stark waren.

Von hier aus ging der Weg dann nicht mehr kinderwagentauglich weiter. Meine Frau blieb also mit schlafendem Kind am Rastplatz zurück, während ich noch ein paar Meter weiterging und einen steilen Abhang zum Fotospot an den unteren Ilsenfällen hinabstieg.

Auf dem Rückweg bot es sich an, noch ein paar Detailaufnahmen zu machen. Das ging entweder direkt vom Weg aus oder nach einem kleinen Abstecher den Hang hinunter.


Zurück nahmen wir den breiten Fahrweg, der zwar etwas langweilig, dafür aber problemlos mit dem Kinderwagen zu befahren war. Am Ende hatte die ganze Familie ein kleines Abenteuer erlebt und der Familienfotograf ist ebenfalls auf seine Kosten gekommen.
